... wenn einer eine Reise tut...

Veröffentlicht auf von Oliver

Nach gut fünf Monaten ohne einen eigenen fahrbaren Untersatz habe ich meinen einwöchigen Urlaub in Deutschland dazu genutzt, mir ein Auto zu besorgen. Wie kriegt man die Kiste nach Irland? Selber fahren, fliegen und schwimmen fiel wegen entsprechender technischer und geographischer Mängel dummerweise aus. Also blieb nur eine Lösung; Das Auto zu einer Fähre fahren und dann übersetzen lassen. Das schrie förmlich nach einen Roadtrip. Jedoch anders als in einigen Teeny-Filmen aus Hollywood, habe ich das Ganze alleine und in etwas mehr als 24 Stunden hinter mich gebracht... und richtig lustig war das auch nicht...

Ich startete im nördlichen Münsterland und gurkte dann durch die Niederlande und Belgien nach Frankreich. Während die Niederländer so freundlich sind und die Strassendecken ihrer Autobahnen langsam, aber sicher zu erneuern, haben die Belgier scheinbar nur Geld, um ihre rauen Buckelpisten zu beleuchten. Frankreich begrüßte mich, wie ich es gewohnt bin, mit freundlichem Wetter... und den üblichen Maut-Stellen. Sobald man auf Autobahnen kommt, die nicht auf Paris zusteuern, wird es erfreulich leer auf den gut ausgebauten Autobahnen. Kein Wunder, der Franzose fährt nur Autobahn, wenn er es muss oder wenn Teilstücke nichts kosten, die Maut behält er lieber ein und verfuttert die Summe. Das ist nicht böse gemeint, das habe ich von einem sehr guten französischen Freund so gehört.

Nun gut, die Fahrt in Frankreich führte mich Richtung Osten, immer hart in der Nähe des Ärmelkanals und des Atlantiks entlang. Bei Le Havre spannt eine riesige Brücke über die Flußmündung der Seine, der Ausblick ist phänomenal... wenn man Beifahrer ist...

Die Strecke ab Le Havre führt an namenhaften Orten wie Deauville, Cabourg und für die historisch Interessierten, an Arromanche vorbei. Caen, eine sehr interessante Stadt, musste ich diesmal leider umfahren, ich hatte schließlich eine Fähre zu kriegen. Ich hatte mir die Verbindung von Roscoff (Bretagne) nach Cork ausgesucht, denn von Cherbourg hätte ich "nur" eine Fähre nach Rosslare, im äußersten Süd-Osten Irlands, kriegen können.

Irgendwann muss man in Frankreich jedoch die Autobahn verlassen, um dann nur noch auf Routes Nationales Richtung Roscoff zu fahren. Immerhin, es gab auf dem Abschnitt ein Highlight, man kann von der E 401 "Le-Mont-Saint-Michel", das selbst aus der Ferne sehr beeindruckend ist, sehen. Die Route Nationale in Frankreich darf mit 110 km/h befahren werden, wenn sie nicht gerade durch geschlossene Ortschaften führt, somit zog sich der Abschnitt hin. Der Wechsel auf die E 50 ließ jedoch wieder Hoffnung aufkommen. In Morlaix ging es dann endgültig Richtung Norden, die Müdigkeit wich! 

Ich habe mich in Roscoff, einem reizenden Städtchen an der Atlantikküste Frankreichs, erstmal orientiert, damit ich gleich wusste, wo die Anlegestelle für die Fähre war und bin dann in den Ort reingefahren. Wenn man schon mal in Frankreich und dann auch noch mit der Fähre eine ganze Nacht unterwegs ist, wollte ich zwei Dinge unbedingt besorgen; ein frisches Baguette und... ein Mittel gegen Reiseübelkeit. Beides zu bekommen, war keine Schwierigkeit.



Die Abfertigung ging reibungslos, nahm jedoch auch Zeit in Anspruch, schließlich mussten die Logistiker das Gewicht der Lkw, Pkw und Gespanne gleichmäßig im Schiffsbauch verteilen. Die französischen Zöllner haben mich mit ein paar anderen Mitreisenden rausgepickt, ich nehme an, es lang an dem deutschen Kennzeichen, zu dieser Jahreszeit eine Seltenheit, oder an der leuchtend roten Farbe meines Vehikels. Zumindest waren sie sehr freundlich und freudig überrascht, dass ein Ausländer französisch sprach... ich vermute, sie wollten sich nicht die Mühe machen, englisch zu sprechen. Man hilft ja gerne...



Nachdem ich mein Auto in den Eingeweiden der Fähre ("Pont Avon" von Brittany Ferries) verstaut hatte, suchte ich meine Kabine auf, deponierte meine Tasche und erkundete das Schiff (Notausgang, Rettungsweste, Bar etc.). Danach musste nach 12 Stunden Autofahrt erstmal ein kühles Blondes her, die Franzosen haben nicht viel Ahnung von Bieren, bei Weinen und Diplomatenbrause sieht das anders aus, aber das Kronenbourg ist sehr trinkbar... 

Nach einer Dusche und dem Mittel gegen Reiseübelkeit schaute ich mir den Rest des Schiffes an und erstand für teuer Geld Aufkleber für die Scheinwerfer des Autos. Als Linkslenker muss man in Staaten mit Linksverkehr einen bestimmten Teil des rechten Scheinwerfers abkleben, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. Den Briten und Iren geht es mit ihren Autos auf den Strassen Kontinental-Europas genauso, nur eben umgekehrt.

Die Fähre legte planmäßig gegen 21:30 Uhr in Roscoff ab und machte sich sodann auf dem Weg nach Cork. Ich ließ den Tag mit einem zweiten Bier ausklingen und ließ mich von der Fähre sanft in den Schlaf schaukeln.





Am nächsten Morgen gönnte ich mir ein britisches Frühstück (Speck, Spiegeleier, Toast, baked beans, Kartoffelpuffer-Ecken, Toast, Tomaten, ein Pott Kaffee etc) und ging dann zum Bug des Schiffes, um zuzusehen, wie Irland langsam näher kam, nebenbei konnte man Delphine im Atlantik beobachten.



Die Einfahrt nach Cork Habour (Cobh) wurde uns von einem kleinen Motorboot versperrt. Die Pont-Avon ließ einmal vernehmlich das Horn ertönen und die irische Nussschale machte uns bereitwillig oder widerstrebend Platz. Wir waren auf der Zielgeraden angekommen.



Eine gute halbe Stunde vor der Anlandung wurden wir aufgefordert, die Kabinen zu räumen und zu unseren Fahrzeugen zu gehen. Die Einreise nach Irland ging zügig, ein freundlicher Zöllner ließ sich den Ausweis zeigen und dann war man endgültig in Irland angekommen.



Der Umstieg vom Rechts- auf den irischen Linksverkehr fiel mir sehr leicht, hatte es mich bei meiner Ankunft in Deutschland zuerst für eine Millisekunde gewundert, dass alle Autos auf der rechten Seite fahren... 
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Veröffentlicht in Die Anreise...

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